Erlebnis Wüste – „Werde die, die Du bist“…

Erlebnis Wüste
Ein Erlebnis- und Reisebericht von Rita Schneider Photo by Peter Hammer on Unsplash

Ein Gastbeitrag und Erlebnisbericht von Rita Schneider

Weite, Ruhe, Sonne, Wärme… mit einem Kamel als Begleiter. Als ich von der privat organisierten „meditativen Wüstenreise in der Nordsahara“ höre, ist mein Feuer geweckt: schon als Kind wollte ich einmal quer durch die Sahara reisen – am liebsten auf einem Kamel mit einem Tuareg – die mit den dunkelblauen Turbanen…

Dann als Jugendliche wollte ich gerne Fahrerin auf der Ralley Paris-Dakkar werden….und jetzt endlich wird mein aktueller Wüstentraum wahr: Ganz einzutauchen in die Natur – in den Rhythmus von Sonne, Sand, Wind und Kamelen – in der Weite die Geborgenheit spüren – neu zu mir selbst kommen – ein Experiment auf den Spuren der Wüstenväter…

Erlebnis Wüste
Marrakesch – in kleinen Gruppen ziehen wir los: Eintauchen in eine andere Kultur…
Gleich am zweiten Tag: Fahrt über den hohen Atlas und Antiatlas in Richtung Wüste… eine unglaubliche Landschaft – viel Grün durch die Frühlingsregen, faszinierende Felsformationen in allen Sand-, Rot- und Brauntönen und dahinter: weiße Gipfel…es ist ziemlich kalt und ich hoffe, dass es in der Wüste deutlich wärmer werden wird…

Am Wüstenrand – hier geht’s schon gut ohne Jacke – und mit der traditionellen Kopfbedeckung – dem Chech – 4 Meter feiner, angenehmer Baumwollstoff – sind wir perfekt ausgestattet, um bei Sonne, Wind und Sand einen klaren Kopf zu behalten…wir steigen um in Jeeps und ab gehts…3h rütteln und schütteln….
Kurz vor Sonnenuntergang: Angekommen! Erster Blick auf unser Gemeinschaftszelt und endlich: die KameleAm ersten Abend lernen wir auch die fünf Berber kennen, die uns auf unserer Reise begleiten und durch die Wüste führen werden. Schon das erste Abendessen – eine herrlich duftende marokkanische Gemüsetagine – ist sehr lecker und liebevoll zubereitet. Wir essen auf einem Teppich gemeinsam im Kreis sitzend.
Vor Sonnenaufgang stehen wir auf – die Kälte der Wüstennacht ist noch zu spüren. Der Morgen im Camp: den Tag begrüßen in der Ruhe und Weite…

Nach Frühstück und Morgentoilette: Aufbruch – es geht los: Zelte abbauen, Kamele beladen, losgehen – in Takt kommen – in Verbindung sein mit meinem Kamel. Das hat mir große Glücksgefühle beschert: das Seil, mit dem ich mit „Ashegre“, meinem Kamel verbunden war, war wie eine ganz direkte emotionale Verbindung – unglaublich wie zart, sensibel, geduldig sie sind und gleichzeitig stark und überaus individuell. Sie reagieren auf Dein Inneres – spiegeln es…ich habe viel von ihm gelernt. Jeden Tag laufen wir bis zum Mittag – es wird immer wärmer… – Zeit, das nächste Lager aufzuschlagen…

Angekommen: der nächste Lagerplatz…Jeder Platz hat seine einzigartige Struktur und Schönheit…

Mittags- und Abendstimmung mit Kamelen rund um das Lager und in die Weite der Dünen….

Nach 5 Tagen unterwegs mit der Gruppe und einem Sandsturm in der Nacht davor: Aufbruch ins „Einzel-Retreat“ – 2 Tage und 2 Nächte – ein Berber begleitet mich, um einen geeigneten Platz zu finden… mit einem Strauch als Teilschutz und Öffnung nach Osten hin – das ist perfekt.

Allein in der Wüste: ein Schattenplatz muss sein…
…und ein Feuer zum Essen kochen am Abend und zum Wärmen in der Früh… Ein kleiner Proviantbeutel mit Datteln und Gemüse sowie 5 Liter Wasser sind meine Versorgung.
All-eins-Sein: Geborgenheit in der Freiheit spüren.
Ein Skarabäus – Glückskäfer inklusive…davon gab es viele und sie waren sehr interessiert an meinem Proviant. Besucht haben mich außerdem noch einige neugierige Vögel und in der Nacht muss wohl ein Wüstenfuchs vorbei gekommen sein – seine Tatzenabdrücke fand ich vor meinem Unterstand.
Morgenspaziergang in die Dünen. „Every step is your destination“. Weite. Stille. Schönheit. Da Sein.
Nachmittagsspaziergang barfuß in ein riesiges ausgetrocknetes See-Bett – in der flackernden Mittagshitze sah ich dort noch Wasser – es war eine Fata Morgana!
Sonnenuntergang – genussvolles Farbenspiel – wie wird wohl die Nacht?
Feuer hat etwas Beschützendes – mit der verglimmenden Glut schlafe ich friedlich ein…
Ich wache auf mit dem Tag – klare Morgenluft – alles ist gut – ich bin angekommen – bei mir.
Zurück in der Gruppe – wir alle waren Suchende und jeder hat etwas für sich gefunden in der Wüste – in dieser Gruppe spüre ich Freiheit in der Geborgenheit – we are family.
Und dann: die Rückgewöhnung Step 1: „Entsanden“ in einer Oase am Rande der Wüste. Fließendes warmes Wasser – eine Dusche…was für ein Luxus!
Am letzten Abend noch einmal Marrakesch – stimmungsvolles Abschiedsessen mit der Gruppe auf einer schönen Dachterrasse mit Blick auf die Lichter der Stadt…

Dieses Land, die Natur, die Menschen und die Tiere haben uns unglaublich freundlich aufgenommen und bereichert – die Erfahrung des Willkommen- und des All-Eins-Seins ist ein großes Geschenk – wir werden es voller Dankbarkeit in unseren Herzen bewahren und mit in unseren Alltag nehmen. Ich wünsche mir, dass dieser Geist zu Hause wirksam wird in allen unseren Begegnungen – auch und vor allem mit Besuchern aus anderen Kulturen bei uns…

Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort. Hier können wir einander begegnen.Rumi

 

Fotonachweis: Alle Fotos in diesem Beitrag sind von Rita Schneider. Das Titelbild ist von Peter Hammer über Unsplash.

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