Wo die Erde noch atmet: Das Santa Irini Retreat auf Therasia

Erlebt echte Gastfreundschaft im Santa Irini Retreat auf Therasia. Die unbekannte Schwesterinsel von Santorin bietet vulkanische Ursprünglichkeit, Geschichte und großartige Kulinarik
Therasia statt Santorin: Auf der vergessenen Schwesterinsel vulkanische Ursprünglichkeit, Geschichte und Gastfreundschaft im Santa Irini Retreat erleben.

Werbung // Der Boden unter den Reifen ist rau, dunkel, porös. Jede Unebenheit erinnert daran, was hier vor 3.600 Jahren passiert ist: Ein Vulkan brach mit einer Gewalt zusammen, die den Lauf der menschlichen Geschichte veränderte. Kein Asphaltband durch eine kuratierte Touristenkulisse, sondern ein Pfad aus vulkanischem Urgestein, Asche und Bimsstein, der direkt zum Ursprung der Welt führt. Willkommen auf Therasia – Santorinis vergessener Schwester. Und willkommen bei zwei Gastgebern, die ein besonderes Refugium auf historischen Boden führen und Geschichte und Geschichten mit viel Herz bewahren.

Diese Kirche gab Santorin ihren Namen. Zu sehen bekommt sie nur, wer den Touristen Hotspot linksliegen lässt und sich zur vergessenen kleinen Schwester Therasia aufmacht

Das Santa Irini Retreat: Ankommen auf einer der ehrlichsten Inseln des Mittelmeers

Vis-a-Vis vom Touristen-übervölkerten Ort Oia auf Santorin liegt auf der anderen Seite der Caldera ein Ort der Gastlichkeit, der einladendes Kontrastprogramm und einmalige Ausblicke bietet: das Santa Irini Retreat. Ein Boutique-Refugium, das keine Sterne hat, aber eine Geschichte. Die Kirche Agia Irini aus dem Jahr 1867, die Santorin ihren Namen gab, bildet den Ankerpunkt, um den sich vier großzügige Suiten hinter weißem Kalkstein offenbaren – gebaut in originale Steinstrukturen nach traditionellen kykladischen Methoden.

Eingerichtet mit handgefertigten Möbeln, bestickten Wandteppichen, nostalgischen Kerzenhaltern, Küchenutensilien, Amphoren und Körben. Dazu ein bepflanzter Innenhof, der sich anfühlt wie ein griechischer Dorfplatz.

Nur 15 Minuten per Boot, aber eine andere Welt: Das Santa Irini Retreat thront gegenüber von Santorin

Mit dem Mountainbike zum Ursprung der Erde

Es ist ein traumhafter Ort und ein Traum per se: der Kindheitstraum von Paris und Dimitris. Zwei Männer, ein Paar und Team, dass sich nach langer erfolgreicher Karriere wieder auf das Wesentliche besinnen und auf dem Grundstück von Dimitris Großtante ihre Liebe zu ihrer Kultur Ausdruck verleihen. In Santa Irini pflegen sie die Traditionen ihrer Kindheit und hüten die Rezepte ihrer Vorfahren und erwecken sie bei gemeinsamen Mahlzeiten mit ihren Besuchern zum Leben. Und sie motivieren ihre Gäste, das gerade mal 180 Einwohner zählende Therasia kennenzulernen – ob beim puren Sein in dem liebe- und gedankenvoll geschaffenem Refugium oder aktiv. Zum Beispiel per Mountainbike.

Die Tour über das harsche Eiland endet am gemeinsamen Tisch unter der Pergola neben der kleinen Kirche, mit Gerichten aus dem Holzofen und dem eigenen Gemüsegarten und Geschichten, die man nicht googeln kann.

Liebe zum Detail und Geselligkeit prägen das Santa Irini Retreat

Vom Hafen ins Herz der Insel – mit George im Sattel durch Therasia

Unterhalb des Santa Irini Retreats, an dem kleinen Hafen Riva beginnt eine Reise in die geologische Vergangenheit Europas. Mit Guide George (ein ehemaliger Mathematiker, der seinen Job in einer Bank aufgegeben hat) von Explore Thirasia geht es (auf Umwegen) von der Küste über Weinfelder, Dörfer und Klippen bis ans sechs Kilometer entfernte südliche Ende der Insel. Georges Wissen über Geschichte, Natur und Weinbau der Insel ist nicht aus dem Reiseführer, sondern aus dem Leben gegriffen. Jeder Stopp fühlt sich nicht wie Programm an, sondern wie eine Begegnung.

Oberhalb des Hauptortes Manolas. Ab hier führen die Wege nur noch durch Natur ans Ende der Insel

Agrilia – Das Dorf aus Vulkanstein und eine Kirche, die überrascht

Wer den Weg nach Westen nimmt, stößt auf Agrilia – ein verlassenes Dorf und die frühere Hauptsiedlung Therasias, die direkt in die Calderawand gehauen wurde. Höhlenhäuser aus Vulkangestein, eingerahmt von betagten Feigenkakteen, enge Gassen, in denen das Gras durch die Ritzen wächst. Bis in die 1960er Jahre lebten hier bis zu 700 Menschen, bearbeiteten die Felder, bauten Tomaten und Wein an. Nach dem schweren Erdbeben von 1956 schlossen die florierenden Tomatenpastenwerke, die Felder wurden aufgegeben, und das Dorf verstummte. Was blieb, ist eines der eindrücklichsten Zeugnisse davon, wie Leben auf dieser Insel einmal aussah.

Agrilia mit seiner besonderen Kirche und den Höhlen, in denen gewohnt oder auch Wein gemacht wurde.

Was am Eingang des Dorfes überrascht: die Kirche der Panagia. Ihr Äußeres mit der farbenfrohen, ausdrucksstarken Fassade erinnert nicht an die weißen Würfelkirchen der Kykladen, sondern an die koloniale Sakralarchitektur Südamerikas.

Manolas: Die Hauptstadt, die sich Seereisende erarbeiten müssen

Der Anstieg nach Manolas fordert – vor allem die, die vom Hafen Korfos, zu Fuß über eine endlos anmutende Treppe kommen. E-Mountain-Biker erarbeiten sich den hochliegenden Ort recht leicht im Turbo-Gang. Oben angekommen, öffnet sich die Caldera wie eine Theaterkulisse: Santorini gegenüber, das Meer unten, der Vulkan in der Mitte – und kein einziger Selfie-Stick in Sicht. Das ist der Moment, für den Outdoor Reisende nach Therasia fahren.

Zum Mittag kehren die Radler bei Yannis – Georges Partner bei Explore Thirasia – in dessen idyllischen Garten ein. Als ersten Happen kredenzt er eingelegte Kapern, die unterwegs mit ihren herrlichen Blüten verzaubern, und Seegras. Gefolgt von Zucchini Omelett mit frischer Minze, Erbsen Salat mit Fenchel, und anderen Leckereien.

Eine scheinbar unwirtliche Gegend. Tatsächlich florieren vor allem Kapern und Wein, dessen Triebe zu Körben verbunden werden, um die Trauben vor Sonne und Wind zu schützen.

Das Ende der Insel – und eine Kirche am Rand der Welt

Wer noch weiter radelt oder wandert, erreicht den südlichsten Punkt der Insel – das Kap Trypiti, rund drei Kilometer südlich von Manolas. Dort steht das sogenannte Kloster Mariä Himmelfahrt (Koimiseos tis Theotokou / Panagia Trypiti), 1887 erbaut, ein weißes, windumwehtes Gotteshaus am Rand der Welt. Ein Kloster im eigentlichen Sinne ist es nicht – doch ein Zufluchtsort, der viele Jahre im August als Herberge für die Erntehelfer des Weins diente. Nach getaner Arbeit bezog man dort Quartier.

Am äußersten Ende von Therasia thront das Kloster Mariä Himmelfahrt

Der Höhepunkt ist noch heute der 15. August, das Maria Himmelfahrt-Fest, zu dem Einheimische und auch Gäste zum gemeinsamen Feiern hinauf pilgern und sich mit der Aura vergangener Tage umgeben. Wer an diesem Tag hier steht, versteht, was Therasia im Innersten zusammenhält. Wer an jedem anderen Tag hierherkommt, versteht, warum das Ende einer Insel manchmal der schönste Platz auf ihr ist: Die Ruhe und die Ausblicke verbinden das Selbst mit der Natur.

Am Kap Trypiti überwältigt der Blick auf die umliegenden Kykladeninseln

Therasia ist eine Entscheidung, kein Tagesausflug

Wer nach Therasia kommt, entscheidet sich, die Kykladen in ihrer Ursprünglichkeit zu erleben. Mit jeder Pedalumdrehung auf den Wegen entlang der freigelegten Wände des untergegangenen Vulkankraters fügt sich die Zeitreise und das Einssein mit diesem Ort und seiner Geschichte.

Im Santa Irini Retreat finden Outdoor-Freunde einen Ausgangspunkt, der die Verbindung noch vertieft und die Lust zum Entdecken schürt. Danach heißt es, zurückkommen zu Paris und Dimitris – wo es nach frischem Brot aus dem Holzofen riecht. An einen Tisch, an dem gemeinsam zubereitet und gegessen wird und erzählt. Mit Assyrtiko im Glas, aus Trauben, die in Körben auf dem Vulkanboden wachsen. Mit Gerichten, die nach Kindheit schmecken. Mit einer Stille, die man so woanders nicht findet.

Weitere Informationen zum Santa Irini Retreat findet Ihr hier.

Brot und Garnelen aus dem Vulkansteinofen. Flora hat frisches Gemüse aus dem eigenen Garten dazu geerntet. Sie kocht nach den alten Rezepten, die Dimitris und Paris aus ihrer Kindheit kennen

Text und Bilder: © A. Wiegand für Santa Irini Retreat, Titelbild: © Santa Irini Retreat

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